Welt-Alzheimer-Tag 2026
Carela: Was hat dir im Umgang mit der Demenz am meisten geholfen – ein Hilfsmittel, ein Tipp, eine Verhaltensänderung?
Hans-Ruedi: Ich habe vor der Erkrankung meiner Frau keine Erfahrungen mit Demenz gesammelt, es war also eine neue Situation für mich. Meine Frau ist inzwischen an den Rollstuhl gebunden und kann nichts selbstständig tun. Im Haus und draussen begleite ich sie überall und bin dadurch den ganzen Tag beschäftigt. Was mir sehr hilft, ist Entlastung. Beispielsweise kommt morgens jeweils eine Frau der Spitex vorbei, und am Nachmittag übernehme ich wieder die Pflege. Sonntags hingegen übernehme ich den ganzen Tag.
Rosmarie: Dass wir die Abklärungen in der Memory Klinik frühzeitig angegangen sind. So konnte man mit Medikamenten die Demenzerkrankung kurzzeitig etwas hinausziehen. Ohne grosse Veränderungen hatten wir noch Zeit, das Leben fast wie gewohnt zu geniessen. (Ferien und Ausflüge unternehmen und auswärts essen gehen)
Kannst du dich an den Moment erinnern, in dem dir klar wurde, dass sich das Leben deiner Frau – und dein eigenes – durch die Demenz verändern würde? Was ist dir aus diesem Moment geblieben?
Hans-Ruedi: Ja, das hat wehgetan. Man sieht Veränderungen. Die Diagnose hat sie vor etwa einem Jahr erhalten. Sie ist davor ein paar Mal umgefallen, wir mussten regelmässig in den Notfall. Wegen Herz-Rhythmus-Störungen ist sie zudem immer wieder auf den Kopf gefallen, das war brutal zum Zuschauen. Vor der Diagnose hatte ich nichts bemerkt, erst danach. Meine Frau nimmt heute nichts mehr auf. Wenn ich ihr etwas sage, dann vergisst sie es nach ein paar Minuten. Jedoch können wir über Geschehnisse in der Vergangenheit sprechen.
Rosmarie: Sofort nach der Diagnose. Heimlich wusste ich es schon länger. Ich habe die Vergesslichkeit meines Mannes und die Wortfindungsstörungen seinem Alter zugeschrieben. Innerlich hofft man, dass es keine Demenzerkrankung ist. Aber nach der definitiven Diagnose nimmt es einem schon den Boden unter den Füssen weg. Es gab in der ersten Zeit viele Tränen.
Wie hat Carela – bzw. deine betreuende Pflegefachperson – deinen Alltag seit Beginn der Anstellung als pflegende/r Angehörige/r konkret verändert?
Hans-Ruedi: Ich bin froh, dass ich auf die Unterstützung von Constanze zählen kann. Alle zwei Wochen telefonieren wir, das hilft mir sehr. Ich schätze es, mit jemandem über die Situation sprechen zu können. Während ich meine Frau pflege, kann ich natürlich nichts anderes tun. In ein paar Monaten bin ich 89. Ich mache auch den ganzen Haushalt.
Rosmarie: Von Constanze erhalte ich immer gute Informationen und Tipps, um den Alltag mit meinem Mann besser zu bewältigen, sowie eine grosse Wertschätzung für mich als pflegende Angehörige und was ich tagtäglich leiste.
Was würdest du jemandem sagen, der gerade erst erfahren hat, dass ein naher Mensch an Demenz erkrankt ist?
Hans-Ruedi: Wenn ich könnte, würde ich gerne Tipps geben. Jedoch kommt die Hilfestellung auf die jeweilige Situation an, ich wüsste keinen konkreten Tipp, den ich einer unbekannten Person geben könnte. Jetzt ist es, wie es halt ist. Für mich gehört es dazu, dass man aufeinander schaut.
Rosmarie: Zuerst würde ich diese Person in den Arm nehmen. Ich empfehle den Austausch mit anderen mitbetroffenen Menschen, die sich um einen Menschen mit Demenz kümmern, denn sie verstehen am besten, wie einem zumute ist. Ich würde dieser Person Möglichkeiten aufzeigen, wo man Hilfe anfordern kann.
Was wünschst du dir von der Gesellschaft im Umgang mit Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen?
Hans-Ruedi: Ich habe keinen Kontakt mit anderen, die in der gleichen Situation sind. Ich habe keine Zeit dafür, ich bin ans Haus und meine Frau gebunden. Am Mittwochnachmittag kommt eine Frau des SRK vorbei, um ca. 2-3 Stunden auf meine Frau Acht zu geben, dann habe ich frei. Auch kommt bei uns manchmal unsere Tochter vorbei, um ein bisschen im Haushalt zu helfen.
Rosmarie: Dass sie sich nicht zurückziehen und abwenden, sondern erst recht auf die Betroffenen und ihre Angehörigen zugehen. Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft weiss, dass es nicht selbstverständlich ist, als Angehörige/Angehöriger die komplette Betreuung und die Pflege zu übernehmen.
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