«Sicher durch den Sommer» - Leitfaden für pflegende Angehörige
1. Hitze
Ältere Menschen, insbesondere mit Demenz, können Hitze oft nicht richtig einordnen. Sie erkennen die Gefahr durch die pralle Sonne nicht oder vergessen, ausreichend zu trinken. Hier sind Angehörige die wichtigste Stütze.
Anzeichen für Überhitzung und Erschöpfung
- Körpertemperatur: Ein Anstieg der Temperatur (ohne Infekt), oft begleitet von einem roten, heissen Kopf.
- Veränderter Puls: Ein auffallend schneller oder sehr schwacher Puls.
- Übelkeit und Schwindel: Klagen über Unwohlsein, Kopfschmerzen oder ein unsicherer Gang.
- Verändertes Verhalten (besonders bei Demenz): Plötzliche extreme Unruhe, Aggressivität oder – im Gegenteil – eine ungewöhnliche Apathie (Teilnahmslosigkeit).
- Muskelkrämpfe: Häufig in den Waden oder Armen, bedingt durch Elektrolytverlust.
Massnahmen zur Vermeidung von Überhitzung
- „Dunkle Höhle“: Lüfte nur in den frühen Morgenstunden oder spät abends. Tagsüber heisst es: Fenster zu, Storen runter oder Vorhänge schliessen.
- Leichte Textilien: Achte auf weite, atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle oder Leinen.
- Kühl-Rituale: Feuchte Tücher auf den Unterarmen oder im Nacken wirken oft Wunder. Auch ein lauwarmes (nicht eiskaltes!) Fussbad kann den Kreislauf beruhigen.
2. Sonnenschutz
Die UV-Belastung in der Schweiz wird oft unterschätzt. Da die Haut im Alter dünner und empfindlicher wird, ist ein professioneller Sonnenschutz kein Luxus, sondern medizinische Vorsorge. Auch für jüngere Personen kann starke Sonneneinstrahlung negative Konsequenzen haben, eine davon ist Hautkrebs.
Anzeichen für eine übermässige Belastung durch die Sonne
- Hautrötungen: Auch ohne „klassischen“ Sonnenbrand kann die Haut gespannt, heiss oder gerötet sein.
- Bläschenbildung: Sofortiger Handlungsbedarf bei Brandblasen.
- Sonnenstich-Symptome: Nackensteifigkeit, starke Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit (oft zeitversetzt nach dem Aufenthalt im Freien).
Massnahmen gegen zu intensive Sonneneinstrahlung auf die Haut
- Die goldene Regel: Direkte Sonne zwischen 11:00 und 15:00 Uhr meiden.
- „Schatten-Hopping“: Plane Spaziergänge so, dass man sich immer wieder im Schatten aufhalten kann.
- Kopfbedeckung: Ein Hut mit breiter Krempe ist Pflicht, um auch Gesicht und Nacken zu schützen.
- Eincremen zur Routine machen: Integriere Sonnenschutz (LSF 30 oder höher) fest in die Morgenpflege – genau wie das Zähneputzen.
3. Genügende Flüssigkeitszufuhr
Im Alter signalisiert unser Körper oft zu spät, dass er Flüssigkeit braucht. Bei Hitze kann dies innerhalb weniger Stunden zu Dehydration und Kreislaufzusammenbrüchen führen.
Anzeichen für Dehydration (Flüssigkeitsmangel)
- Dunkler Urin: Ein konzentrierter, dunkler Urin ist das deutlichste Zeichen für zu wenig Flüssigkeit.
- Trockene Schleimhäute: Überprüfe, ob Mund und Zunge klebrig oder trocken wirken.
- „Stehende Hautfalten“: Wenn man die Haut am Handrücken vorsichtig anhebt und sie nicht sofort wieder glatt wird.
- Plötzliche Verwirrtheit: Ein akuter Anstieg von Desorientierung ist bei Senior*innen oft auf Wassermangel zurückzuführen.
Massnahmen zur Vermeidung von Flüssigkeitsmangel
- Die „Trink-Routine“: Warte nicht, bis Angehörige Durst anmelden. Biete alle 60–90 Minuten aktiv ein kleines Glas an (auch wenn es nur 50–100 ml sind).
- Visuelle Hilfe: Stelle eine Karaffe mit Wasser, Minze oder einer Zitronenscheibe an einen gut sichtbaren Ort. Ein gefülltes Glas sollte immer in Griffnähe stehen.
- Wasserreiche Kost: Integriere wasserhaltiges Obst und Gemüse wie Gurken, Melonen, Tomaten oder Beeren in den Speiseplan.
- Abwechslung: Wenn das Wasser zu fad ist, biete abgekühlten Früchtetee oder stark verdünnte Fruchtsaftschorlen an.
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