Leben mit Querschnittlähmung: Pflegetipps für Betroffene und Angehörige
Grundpflegeleistungen durch pflegende Angehörige
Bei der Pflege zu Hause denken die meisten Menschen direkt an die Spitex. Aber gerade bei Personen, die ihre Eigenständigkeit bewahren möchten, übernehmen oftmals pflegende Angehörige gewisse Leistungen. So auch oft bei Menschen, die querschnittgelähmt sind:
- Transfer aus und ins Bett, und (bei Bedarf) Rollstuhl- und/oder Therapiebegleitung
- Lagerung und Mobilitätsförderung, insbesondere um Druckstellen (Dekubitus) zu vermeiden
- Haut- und Körperpflege
- Unterstützung beim An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen und deren Reinigung
- Blasen- und Darmmanagement mithilfe von Kathetereinsatz und -pflege sowie Entleerung
Die Pflege durch Angehörige ist intimer und für die betroffene Person flexibler. «Es ist wichtig, dass sich die pflegende Person Grundwissen zum Krankheitsbild erarbeitet. Zudem sollten pflegende Angehörige stets präventive Massnahmen gegen Probleme wie Pneunomie, Thrombose, Kontrakturen und Harnwegsinfekte im Blick haben und nicht vernachlässigen», empfiehlt Franziska.
Was muss bei der Grundpflege von Personen mit Paraplegie besonders beachtet werden?
Menschen mit Paraplegie spüren Schmerzen oder Druck in den betroffenen Körperregionen oft nicht, weshalb regelmässige Umlagerungen, kontrollierte Hautpflege und die Verwendung geeigneter Hilfsmittel – etwa druckentlastende Matratzen oder Sitzkissen – zentral sind. Auch auf die Lagerung – also die gezielte Positionierung im Bett oder Rollstuhl– muss besonders geachtet werden, um Druckstellen (Dekubitus) zu vermeiden. Bei der Körperpflege braucht es noch mehr Achtsamkeit und Feingefühl als sonst: Zu heisses Badewasser, zu harter Druck beim Waschen – all das kann zu Verletzungen führen, ohne dass es die betroffene Person rechtzeitig merkt.
Mobilisation als wichtiges Element der Grundpflege
Mobilisation und Lagerung sind zwei der wichtigsten Punkte, auf die pflegende Angehörige Acht geben müssen. Daneben ist auch Bewegungsförderung wichtig. Es geht dabei um Krafttraining im Oberkörper, Gleichgewicht und Transfertraining. Angehörige können «aktivierende Pflege» durchführen: zum Beispiel morgens beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl, wo gezielte Bewegungen trainiert werden können. «Es geht darum, bei der Körperpflege die Betroffenen das machen zu lassen, was sie selbst können», erklärt Franziska. «Dazu ein paar Beispiele: Um Kontrakturen (Gelenkversteifung) vorzubeugen, ist es wichtig, vor allem morgens die Beine gut durchzubewegen. Dabei sollen pflegende Angehörige den Betroffenen Zeit lassen, da es zu Spastiken kommen kann (Spastiken sind unwillkürlich auftretende Muskelzuckungen oder -versteifungen). Und bei der Körperpflege auch mal die Arme kreisen lassen, um die Muskeln zu trainieren/aktivieren.»
Selbstständigkeit trotz (teilbedingter) Bewegungsunfähigkeit?
Technische Hilfsmittel und für Personen im Rollstuhl gut zugängliche Orte können helfen, trotz Einschränkungen mobile Selbstständigkeit zu wahren. «Damit möglichst viele Techniken, Hilfsmittel und Methoden zur Förderung von selbstständiger Beweglichkeit eingesetzt werden können, empfehle ich pflegenden Angehörigen, bereits während dem stationären Aufenthalt ihrer Liebsten mit dem Lern- und Informationsprozess zu starten. Sie sind dabei nicht allein, denn Ihnen stehen verschiedene Organisationen zur Hilfe, beispielsweise Carela», empfiehlt Franziska. «Denken Sie früh genug an Faktoren wie Physiotherapie, die auch zur Bewegungsförderung gehören».
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Franziska, Welche 3 Tipps gibst du pflegenden Angehörigen von Personen mit Paraplegie mit auf den Weg?
«Erstens, die Selbständigkeit der betroffenen Person zu fördern und sie so viel wie möglich bei Entscheidungen miteinbinden. Zweitens, Hilfe holen für den Umgang mit Hilfsmitteln (Rutschbrett, Toilettenstuhl, Haltegriffe im Badezimmer, Pflegebett, …) Und drittens, auf sich selbst achten. Eine korrekte Rückenhaltung als pflegende Person ist essenziell für eine gute Pflege von Menschen mit Paraplegie.»
Danke für die Einblicke in den Pflegealltag von Personen mit Paraplegie und deren pflegender Angehöriger.
Fazit: Mit den auf die individuelle Pflegesituation abgestimmten Hilfsmitteln sowie Einbezug der Betroffenen im Alltag kann die Pflege von Personen mit Paraplegie nachhaltig funktionieren. Durch die Verantwortung und den Zeitaufwand befinden sich pflegende Angehörige von Personen mit einer Querschnittlähmung in einer wichtigen, aber auch belastenden Rolle wieder. Sie haben daher ein Anrecht auf finanzielle, fachliche und emotionale Unterstützung von Carela. Ebenfalls möchten wir hier auf das wichtige Beratungs- und Unterstützungsangebot der Schweizer Paraplegiker Gruppe verweisen.